Elektronische Fallakte überzeugt Dortmunder Pädiater

EFA-Netzwerk: Klinikum Dortmund und niedergelassene Fachärzte ziehen positive Bilanz

Aachen/Dortmund, 27. Januar 2017.

Nach dem im März 2015 gestarteten Pilotprojekt zur Vernetzung von Praxen niedergelassener Kinderärzte mit der Klinikum Dortmund gGmbH über die Elektronische FallAkte (EFA) ziehen die Beteiligten eine erste positive Bilanz: 20 Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin aus zwölf Praxen sind dem Netzwerk angeschlossen und profitieren vom deutlich beschleunigten Datenaustausch mit dem Krankenhaus. Bis Ende 2016 sind gut 4.000 Dokumente – bislang ausschließlich Arztbriefe – via EFA-Netzwerk aus dem Dortmunder Klinikum an die Kinderarztpraxen geschickt worden. Die positiven Erfahrungen der Pädiater befeuern deren Wünsche nach dem Ausbau des Systems, das auch von Seiten des Dortmunder Klinikums als „effiziente Kommunikationsplattform der Telemedizin“ gelobt wird. Die kürzeren und weniger komplizierten Kommunikationswege erleichtern vor allem die Behandlung von Patienten mit komplexen Erkrankungen, da niedergelassene Ärzte besser auf die Dokumentation der mitbehandelnden Krankenhausärzte zugreifen können.

 In der ersten Phase des Projekts erhalten die niedergelassenen Fachärzte über das EFA-Netzwerk derzeit die zur Entlassung aus dem Krankenhaus erstellten Arztbriefe. Dieses Informationsangebot der Klinik soll perspektivisch auf die Übermittlung von Original-Befunden sowie der OP-Berichte ausgeweitet werden. In einem weiteren Schritt wünschen sich die Praxen unter anderem den Zugriff auf Röntgenbilder.

Das vom Klinikum Dortmund aufgesetzte EFA-Netz ist bewusst so gestaltet, dass der Daten Transfer für die niedergelassenen Ärzte mit einem möglichst geringen Zusatzaufwand verbunden ist: Wenn neue Dokumente für einen ihrer Patienten vorliegen, erhalten sie automatisch eine E-Mail mit Link zum Webbrowser. Zur Einsichtnahme der Unterlagen müssen sich die Ärzte via VPN-Verbindung einloggen. Danach können sie sämtliche Dokumente, für die sie als Mitbehandler zugriffsberechtigt sind, aufrufen und die als PDF aufbereiteten Dateien in ihre eigenen Falldokumentationen übernehmen. Diese Form der Übermittlung wird sämtlichen Anforderungen der Datensicherheit und des Datenschutzes gerecht. Den Mehraufwand für das Aufsetzen und Betreiben des EFA-Netzes sowie das Handling der elektronischen Entlassbriefe wird dem Klinikum Dortmund dank der Regelungen im E-Health-Gesetz künftig zusätzlich vergütet.

Die Stärken des Dortmunder EFA-Netzwerks offenbaren sich den Eltern der im Krankenhaus behandelten Kinder bereits unmittelbar nach der Entlassung: Wenn sie sich am Nachmittag des Entlassungstags wegen der Anschlussmedikation beim niedergelassenen Pädiater melden und problemlos Rezepte bekommen, sind viele beeindruckt. Dank der elektronischen Bereitstellung des Arztbriefs verringern sich die Unwägbarkeiten, die typisch für den Versand per Fax oder Brief sind. Fehlläufer oder der zeitaufwändige Weg eines Briefs über die krankenhausinterne Poststelle und die externe Zustellung lassen sich so vermeiden. Da die Eltern des Patienten einwilligen müssen, dass die medizinischen Daten ihres Kindes über das EFA-Netzwerk übertragen werden, fragen einzelne Eltern schon einmal nach dem Datenschutz. Prof. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dortmund, nennt in solchen Situationen Brief und Fax als Alternativen und kann auf diese Weise schnell Vorbehalte auflösen.

Krankenhausärzten bringt das Netzwerk mit seiner papierlosen Form eine größere Flexibilität, die allen Beteiligten zugutekommt. Denn die Briefe lassen sich jederzeit erstellen und abschließend freigeben. Dieser letzte Schritt kann durchaus auch spätabends erfolgen, so dass die entsprechende E-Mail mit der Nachricht zeitgleich beim niedergelassenen Arzt ankommt. Ohne die EFA müsste das Schriftstück nach Unterzeichnung durch den verantwortlichen Facharzt erst zurück ins Sekretariat, um dann per Post oder Fax an die Praxis versandt zu werden. Diese Abläufe können die Übermittlung wichtiger Daten durchaus um einen oder mehrere Tage verzögern.

Die besonderen Vorteile des zeitnahen Bereitstellens der vorläufigen oder abschließenden Arztbriefe sieht Prof. Schneider auch darin, dass das Dortmunder EFA-Netzwerk in Vertretungs-oder Notfallsituationen schneller Klarheit unter anderem über Diagnose und Anamnese schafft und so dazu beiträgt, Fehlindikationen und Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sieht deshalb in dem Netzwerk eine „effiziente Kommunikationsplattform der Telemedizin“. Allerdings löst sie die bisherigen Kommunikationswege nicht komplett ab: „Die beste EDV ersetzt nicht die gute persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Klinikarzt und seinen niedergelassenen Kollegen.“

Das Handling vor Ort in den Praxen ist dank des Internet-Portals simpel. Die Erfahrungen des Dortmunder EFA-Netzwerks belegen, dass es bei den Praxismitarbeitern keinerlei Schulungsbedarf gibt, berichtet Prof. Schneider. Die wesentlichsten Hürden auf Seiten der Praxen sind in Einzelfällen veraltete IT-Systeme und eine grundsätzliche Skepsis einiger niedergelassener Fachärzte gegenüber der elektronischen Übermittlung von Patientendaten. Leider verwenden die Arztpraxen teilweise Softwaresysteme, die eine umfassende Nutzung der EFA-Lösung oder gar eine tiefe Integration mit Übernahme strukturierter Daten bislang so gut wie nicht unterstützen, weshalb die PDF-Dokumente derzeit die praktikabelste Variante sind. Als „Datenautobahn“ für ihre Fallakten nutzen die Dortmunder Kinderärzte das KV-SafeNet, die sichere Verbindung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Wenn die Telematik-Infrastruktur in Betrieb geht, kann der EFA-Dienst problemlos auf diese wechseln, denn er ist von der gematik bereits seit Jahren als externer Mehrwertdienst anerkannt.

 

Über EFA

Die Elektronische FallAkte ist eine IHE-konforme* Kommunikationsplattform für Ärzte zu einem medizinischen Fall eines Patienten. Sie unterstützt die Kooperation zwischen den an der Behandlung beteiligten Ärzten im ambulanten und stationären Bereich und bietet bei Bedarf einen raschen Zugriff auf benötigte Dokumente (etwa Arztbriefe, Befunde, OP-Berichte, Verordnungen). So können sich behandelnde Ärzte stets einen aktuellen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf verschaffen. Vom Konzept her ist die Elektronische FallAkte besonders darauf ausgelegt, komplexe Behandlungsabläufe zu unterstützen.
Die EFA-Spezifikationen haben die Fraunhofer-Institute für Software- und Systemtechnik (ISST) und für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS), mit Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Auftrag einer Reihe von Kliniken entwickelt und gemeinsam mit Software- und Systemherstellern sowie Anwendern aus dem stationären und dem ambulanten Sektor anwendungsreif gemacht. Sie sind offen zugänglich und lizenzfrei nutzbar. Somit bietet sich EFA als vielfältig einsetzbarer, medienübergreifender Standard für die IT-gestützte Kommunikation im Gesundheitswesen an.
*ab Version EFA 2.0

 

Zum Verein Elektronische FallAkte:

Der Verein ist eine Interessengemeinschaft von rund 30 Mitgliedern aus renommierten privaten Klinikketten, Universitätsklinika, kommunalen Krankenhäusern, Ärztenetzen sowie den wesentlichen Verbänden des stationären und niedergelassenen Sektors. Ziel ist es, gemeinsam einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu etablieren. Weitere Infos unter: http://www.fallakte.de

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