Pressemitteilung

Weniger Sepsis-Tote dank EFA

conhIT 2015: Elektronische Kommunikation verbessert den Behandlungsprozess – nicht nur auf Intensivstation

 
Aachen / Berlin, 14. April 2015.

Die Elektronische FallAkte (EFA) ist in der Breite medizinischer Versorgungsfelder angekommen: Ihre Anwendung reicht von der Intensivstation über die sektorübergreifende Kinder- und Jugendmedizin bis zur ambulanten Palliativbetreuung. Wie Vernetzung und Kooperation den medizinischen Alltag erleichtern, können sich interessierte Fachbesucher auf der conhIT vom 14. bis 16. April 2015 in Berlin am Stand des EFA-Vereins informieren (Halle 2.2, Stand B105). Gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten für Software- und Systemtechnik (ISST) in Dortmund sowie für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) in Berlin und dem Universitätsklinikum Aachen stellt der Verein Elektronische FallAkte e.V. auf der europaweit größten Fachmesse für Gesundheits-IT in Berlin neueste Entwicklungen rund um die FallAkte vor. 

 

Noch bis zum Sommer 2015 läuft das Modellprojekt »Telematik in der Intensivmedizin (TIM)« in Aachen, das die Intensivstationen zweier regionaler Krankenhäuser mit einem Expertenteam am Universitätsklinikum vernetzt: »In diesem Projekt evaluieren wir gemeinsam mit den Kollegen vor Ort den Einfluss einer Televisite auf Diagnose und Therapie schwerer Infektionen«, berichtet Dr. Robert Deisz vom Universitätsklinikum Aachen. »Dabei sehen wir nahezu jeden Intensivpatienten in den beteiligten Häusern. Per Video machen wir uns ein Bild von dessen Verfassung, zusammen mit einem Datensatz wichtigster Laborparameter können wir sehr früh erkennen, wenn sich eine Sepsis abzeichnet«, schildert der Intensivmediziner. Entsprechend der Leitlinien werden dann eine weiterführende Diagnostik und eine spezielle Therapie eingeleitet. »Dieses Projekt steht exemplarisch dafür, wie EFA-basierte Netze medizinisches Expertenwissen in die Fläche bringen und so die Qualität der Versorgung verbessern helfen«, sagt Volker Lowitsch, 1. Vorsitzender des Vereins Elektronische FallAkte e.V. und Leiter des Geschäftsbereichs IT am Universitätsklinikum Aachen. Zwar steht die offizielle Auswertung der Projektergebnisse noch aus, aber »wir verlieren so gut wie keinen Patienten mehr durch Sepsis«, hat Dr. Deisz beobachtet.


Bessere Anschlusstherapie für kranke Kinder

Eben erst gestartet ist ein Projekt in Dortmund: Hier haben sich niedergelassene Kinder- und Jugendärzte mit der Kinderklinik am städtischen Klinikum vernetzt. Zehn Praxen sind bereits beteiligt – immerhin die Hälfte aller Kinderärzte der Stadt: »Wir möchten den Informationsfluss zwischen Klinik und Arztpraxen verbessern«, schildert Thomas Prumbaum, Leiter IT am Klinikum Dortmund. »Bislang lief das auf Papier, die Eltern erhielten am letzten Tag auf Station einen Entlassbrief mit Empfehlungen für die weitere ambulante Versorgung. Der kam aber mitunter gar nicht beim Kinderarzt an.« Jetzt können die beteiligten Kinderärzte den Kurzarztbrief, ebenso wie den ausführlichen Arztbrief der Klinik, nach einem stationären Aufenthalt direkt via FallAkte öffnen. »Häufig sind chronisch kranke Kinder betroffen, aber auch Kleinkinder mit Magen-Darm-Erkrankungen, Durchfall mit Dehydrierung ist oft der Anlass für eine stationäre Einweisung«, berichtet Prumbaum. Dank EFA sei sichergestellt, dass die in der Klinik begonnene Therapie zu Hause nahtlos fortgesetzt werden könne. Perspektivisch soll das EFA-Projekt zudem auch ambulant versorgte Notfälle einbeziehen; den kinderärztlichen Notdienst in Dortmund teilen sich ambulante Ärzte und Klinikum.

 

Einfache Vernetzung marktgängiger IT-Systeme

»Viele EFA-Netzwerke, die heute bereits Krankenhäuser, Rehakliniken, Arztpraxen und andere Leistungserbringer bei ihrer gemeinsamen Arbeit am Patienten unterstützen, sind parallel zu den IT-Spezifikationen EFA 2.0 entstanden«, schildert Volker Lowitsch, 1. Vorsitzender des Vereins. »Jetzt sind wir in der komfortablen Situation, dass wir auf marktgängige IT-Systeme zurückgreifen können. In einem Projekt zur Palliativversorgung beispielsweise haben wir die beiden am häufigsten IT-Systeme ambulanter Pflegedienste über EFA 2.0 erfolgreich integriert.« Damit könnten Pflegekräfte, Haus- und Fachärzte, aber auch Spezialabteilungen in den beteiligten Kliniken bei Bedarf immer auf die aktuellsten Behandlungsinformationen zu den Palliativpatienten zugreifen, beispielsweise eine geänderte Medikation. Für die EFA-Anbindung spielt es keine Rolle, welche IT-Infrastruktur von den Einrichtungen genutzt wird: EFA-Dienste sind heute über das KV-SafeNet verfügbar und perspektivisch über die Telematik-Infrastruktur.Bei allen Erfolgen verweist Volker Lowitsch darauf, dass auch aus Sicht von IT-Entwicklern die FallAkte noch ausbaufähig sei. »Für anspruchsvolle Anwendungen werden beispielsweise zunehmend strukturierte Dokumententypen auf HL7-Basis entwickelt. Damit können Ärzte künftig die Dokumente einer anderen Einrichtung nicht nur komplett in die eigene Falldokumentation übernehmen, sondern sogar die enthaltenen Einzeldaten wie etwa Laborwerte werden automatisch in das eigene System einsortiert.« Eine sinnvolle Ergänzung bieten neue Servicetools. So wird ein Medikationstool auf EFA-Basis vom Fraunhofer ISST zur conhIT vorgestellt.

 

Über EFA

Die Elektronische FallAkte ist eine IHE-konforme* Kommunikationsplattform für Ärzte zu einem medizinischen Fall eines Patienten. Sie unterstützt die Kooperation zwischen den an der Behandlung beteiligten Ärzten im ambulanten und stationären Bereich und bietet bei Bedarf einen raschen Zugriff auf benötigte Dokumente (etwa Arztbriefe, Befunde, OP-Berichte, Verordnungen). So können sich behandelnde Ärzte stets einen aktuellen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf verschaffen. Vom Konzept her ist die Elektronische FallAkte besonders darauf ausgelegt, komplexe Behandlungsabläufe zu unterstützen.

Die EFA-Spezifikationen haben die Fraunhofer-Institute für Software- und Systemtechnik (ISST) und für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS), mit Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Auftrag einer Reihe von Kliniken entwickelt und gemeinsam mit Software- und Systemherstellern sowie Anwendern aus dem stationären und dem ambulanten Sektor anwendungsreif gemacht. Sie sind offen zugänglich und lizenzfrei nutzbar. Somit bietet sich EFA als vielfältig einsetzbarer, medienübergreifender Standard für die IT-gestützte Kommunikation im Gesundheitswesen an.

*ab Version EFA 2.0

Zum Verein Elektronische FallAkte:

Der Verein ist eine Interessengemeinschaft von derzeit 30 Mitgliedern aus renommierten privaten Klinikketten, Universitätsklinika, kommunalen Krankenhäusern, Ärztenetzen sowie den wesentlichen Verbänden des stationären und niedergelassenen Sektors. Ziel ist es, gemeinsam einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu etablieren. Weitere Infos unter:  http://www.fallakte.de

 

Kontakt:

 Volker Lowitsch
1. Vorsitzender EFA-Verein
c/o Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30 * 52074 Aachen
Tel.: +49 (241) 80-88567
Fax: +49 (241) 80-82473
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

NACH OBEN

Ansprechpartner
Volker Lowitsch
c/o Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30
52074 Aachen

Telefon:
+49 (241) 80-80011

Zum Kontaktformular