Gemeinsame Presseerklärung

Große Resonanz auf IHE-konforme FallAkte

Endspurt für „EFA on top of IHE“: Öffentliche Kommentierung erfolgreich abgeschlossen

                                                                

Aachen/Berlin, 30. Juli 2013.

Das gemeinsam vom Verein Elektronische FallAkte e. V., dem Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. und IHE Deutschland e. V. vorangetriebene Harmonisierungsprojekt für die einrichtungsübergreifende Nutzung elektronischer Aktensysteme im Gesundheitswesen geht in die Zielgerade: Die Kommentierungsphase für die EFA 2.0 und das IHE-Cookbook ist abgeschlossen. Bis Ende Septemberveröffentlicht die Projektgruppe „EFA on top of IHE“ die anhand der eingegangenen Kommentare überarbeiteten Spezifikationen. Die beteiligten Vereine empfehlen Krankenhäusern und Arztpraxen, bei der Neubeschaffung von Aktensystemen die Unterstützung dieser Standards ausdrücklich einzufordern.

„Mit der Version EFA 2.0 setzt die Elektronische FallAkte jetzt direkt dort an, wohin sich IT-Systeme im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren entwickelt haben: Selbst innerhalb vieler Krankenhäuser sind IT-Strukturen überwiegend modular aufgebaut, die einzelnen Funktionen sind über standardisierte Schnittstellen miteinander vernetzt“, so Volker Lowitsch, 1. Vorsitzender des Vereins Elektronische FallAkte. e. V. und Leiter des Geschäftsbereichs IT am Universitätsklinikum Aachen: „Als Basis für die herstellerübergreifende Interoperabilität dienen heute zumeist IHE-Profile. Mit solchen Systemen sind Kliniken bei Investitionen auf der sicheren Seite.“ Die Empfehlungen und Festlegungen der 1997 gestarteten, internationalen Initiative „Integrating the Healthcare Enterprise“ (IHE) e. V. haben mittlerweile – auch ohne gesetzliche Vorgaben – in vielen Ländern den Rang allgemeingültiger Standards in der Gesundheits-IT erreicht.

 

Datenschutzgerechter Dokumentenaustausch für Ärzte im Fokus

Mit IHE XDS (Cross-Enterprise Document Sharing) gebe es bereits ein IHE-Profil für die einrichtungsübergreifende Nutzung medizinischer Akten, sagt Andreas Kassner, Geschäftsführer von IHE Deutschland e. V. und im bvitg e. V. in die Projektgruppe „EFA on top of IHE“ involviert, in der Vertreter der bvitg-AG Interoperabilität aktiv an der Entwicklung der EFA 2.0 und des IHE-Cookbook beteiligt waren. „Allerdings waren die in IHE XDS vorgeschlagenen Abläufe unter den Rahmenbedingungen in Deutschland bislang nur bedingt umsetzbar“, so Kassner. Beispielsweise fehlte das Berechtigungsmanagement. Die hohen Anforderungen insbesondere zu Datenschutz und Datensicherheit habe hingegen der EFA-Standard mit seiner Sicherheitsarchitektur bereits umfassend berücksichtigt. „Im IHE-Cookbook haben wir diese Prinzipien jetzt allgemein für IHE-Profile zum Aktenaustausch formuliert.“ Damit stehen erstmals in Deutschland Umsetzungsempfehlungen sowohl für einrichtungsübergreifende Patientenakten und persönliche Patientenakten als auch für die Fallbezogenen Akten (EFA) zur Verfügung. „Diese Entwicklung wird auch in anderen Ländern sehr aufmerksam beobachtet“, merkt Kassner an. „Datenschutz ist ja nicht nur in Deutschland ein wichtiges Thema.“

„Aus Sicht der Informationsflüsse hebt EFA die Trennung zwischen ambulantem und stationärem Sektor in Deutschland völlig auf“, betont Dr. Winfried Seibert, der als stellvertretender Leiter Klinische Systeme am Städtischen Klinikum München bereits ein EFA-Projekt für Darmkrebspatienten realisiert hat. „Wenn Systeme die EFA 2.0 und das IHE-Cookbook unterstützen, benötigen Kliniken und Arztpraxen endlich keine teuren Individuallösungen mehr, um in Versorgungsnetzen auch die Datenschutzanforderungen adäquat zu realisieren“. Die Integration der IHE-Profile gestattet darüber hinaus auch eine stufenweise Weiterentwicklung bereits bestehender Projekte. Dabei sei EFA 2.0 funktional voll kompatibel zu bisherigen EFA-Schnittstellen und EFA-Netzen, betont Lowitsch.

 

Systemhersteller setzen auf IHE-Profile

Darüber hinaus sind sämtliche Aspekte der FallAkte jetzt, wie bei den IHE-Profilen üblich, als funktionale Bausteine und Prozesse definiert – von der Nutzerschnittstelle für den Arztarbeitsplatz über den Zugriff auf Dokumentenarchive bis zum Providerbetrieb. „Diese können ganz nach Bedarf miteinander kombiniert werden“, erklärt Dr. Jörg Caumanns vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) Berlin, der im Autorenteam von „EFA on top of IHE“ die EFA 2.0-Entwicklung mitverantwortet: „Das erleichtert vielen Systemherstellern die Umsetzung.“ Da ein Großteil der Anbieter medizinischer Systeme international aufgestellt sei, bieten international anerkannte Standards und Verfahren eine gängige Basis für die Entwicklung neuer Produkte.

Die Systemanbieter waren von Anfang an eng in den Entwicklungsprozess eingebunden, hebt Andreas Kassner hervor: „Den IHE-Profilen misst der Markt eine große Rolle zu, entsprechend genau verfolgen international aktive Unternehmen alle unsere Entwicklungen und engagieren sich auch selbst in diesem Prozess.“ Die Zahl der eingegangenen Kommentare sei daher überschaubar, die Resonanz aber groß und durchweg positiv: „Viele Hersteller haben bereits entsprechende Produkte in der Entwicklungspipeline.“ Kassner rechnet mit ersten Markteinführungen im Jahr 2014. Zukünftig sei zudem ein stärkerer Einsatz der IHE-Profile über den Klinikbereich hinaus zu erwarten, da auch die IT-Systeme in Arztpraxen immer komplexer strukturiert sind.

 

Über EFA

Die Elektronische FallAkte ist eine Kommunikationsplattform für Ärzte zu einem medizinischen Fall eines Patienten. Sie unterstützt die Kooperation zwischen den an der Behandlung beteiligten Ärzten im ambulanten und stationären Bereich und bietet bei Bedarf einen raschen Zugriff auf benötigte Dokumente (etwa Arztbriefe, Befunde, OP-Berichte, Verordnungen). So können sich behandelnde Ärzte stets einen aktuellen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf verschaffen. Vom Konzept her ist die Elektronische FallAkte besonders darauf ausgelegt, komplexe Behandlungsabläufe zu unterstützen.

Die EFA-Spezifikationen hat das Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik, mit Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Auftrag einer Reihe von Kliniken entwickelt und gemeinsam mit Software- und Systemherstellern sowie Anwendern aus dem stationären und dem ambulanten Sektor anwendungsreif gemacht. Sie sind offen zugänglich und lizenzfrei nutzbar. Somit bietet sich EFA als vielfältig einsetzbarer, medienübergreifender Standard für die IT-gestützte Kommunikation im Gesundheitswesen an.

Zum Verein Elektronische FallAkte:

Der Verein ist eine Interessengemeinschaft von derzeit 30 Mitgliedern aus renommierten privaten Klinikketten, Universitätsklinika, kommunalen Krankenhäusern, Ärztenetzen sowie den wesentlichen Verbänden des stationären und niedergelassenen Sektors. Ziel ist es, gemeinsam einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu etablieren. Weitere Infos unter: http://www.fallakte.de

Über den bvitg:

Der bvitg e. V. vertritt in Deutschland die führenden IT-Anbieter im Gesundheitswesen, deren Produkte je nach Segment in bis zu 90 Prozent des ambulanten und stationären Sektors inklusive Reha-, Pflege- und Sozialeinrichtungen eingesetzt werden. Über 70 Prozent der Unternehmen sind international tätig. Der Bundesverband ist im Frühjahr 2011 aus dem Zusammenschluss des VDAP e.V. mit dem 1996 gegründeten VHitG e. V. hervorgegangen.

Das Projekt „EFA on top of IHE“ wurde von Vertretern der bvitg-AG Interoperabilität bearbeitet.

http://www.bvitg.de/bvitg-arbeitsgruppe-interoperabilitaet.html

www.bvitg.de

Über IHE:

IHE International (gegründet 1997) ist ein internationaler, gemeinnütziger Verein, in dem Heilberufler, Kliniken und Hersteller im Gesundheitswesen zusammenarbeiten, um die Interoperabilität sowie den elektronischen Austausch von Gesundheitsinformationen zu verbessern. Oberstes Ziel dieser Bemühungen ist es, eine für den Patienten optimale Gesundheitsversorgung sicherzustellen. IHE bedient sich hierzu etablierter Standards, die weltweit anerkannt und bereits vielfach implementiert sind. IHE International hat mehr als 350 Mitgliedsorganisationen, die mehr als 2.000 Mitarbeiter in IHE-Ausschüsse entsenden.

2002 gründeten Anwender und Hersteller eine deutsche Plattform für IHE als IHE Deutschland e. V.. Die Geschäftsstelle liegt seit 2010 beim Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. in Berlin.

Der Fokus von IHE Deutschland liegt auf

  • der Verbreitung der IHE-Gedanken etwa durch den IHE-Infotag, Referate auf Konferenzen sowie Projekte
  • der Erstellung nationaler Addenda, vorzugsweise mit anderen Verbänden
  • dem Aufbau eines Interoperabilitätsforums zur Vertretung internationaler Standards gegenüber öffentlichen Stellen und der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen

www.ihe-d.de

Pressekontakte:

Volker Lowitsch
1. Vorsitzender EFA-Verein
c/o Universitätsklinikum Aachen
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Tel.: +49 (241) 80-88567
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Alexandra Gersing
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. / IHE Deutschland e. V.
Taubenstraße 23, 10117 Berlin
Tel.: +49 (30) 206 22 58-18
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