Pressetext

OP-Bericht und Röntgenbild sekundenschnell in der Arztpraxis

Elektronische Fallakte: Städtisches Klinikum zieht erfolgreiche Zwischenbilanz bei Pilotprojekt zur Ärztekommunikation in der Darmkrebsbehandlung

München, 28. Juni 2010
Eine neue Kommunikationsplattform für Ärzte hat das Städtische Klinikum München realisiert und in den beiden Darmzentren Neuperlach und Bogenhausen als Pilotprojekt seit März 2010 im Echtbetrieb erfolgreich getestet: die elektronische FallAkte (EFA). Deutschlandweit erstmalig setzt dieses Projekt die komplexe Sicherheitsarchitektur der EFA vollständig um. Als Partner im ambulanten Bereich beteiligen sich vier Spezialambulanzen für Gastroenterologie sowie zwei Praxen für Strahlentherapie und zwei Allgemeinmediziner, die ihre Darmkrebspatienten gemeinsam mit den Darmzentren betreuen. Ein rascher Ausbau der Kapazitäten und die Ausdehnung auf weitere Fachgebiete sind geplant.

 

„Die elektronische FallAkte stellt die ärztliche Kommunikation über Einrichtungsgrenzen hinweg auf eine qualitativ neue Stufe, sie kann den Informationsaustausch bei komplexen Behandlungsabläufen effizient unterstützen“, sagt Reinhard Fuß, Geschäftsführer am Städtischen Klinikum München. Das seit März 2010 laufende Pilotprojekt zeigt jetzt im Echtbetrieb, mit einer überschaubaren Zahl an Patienten und Partnern, dass das technische System wirklichen medizinischen Nutzen bringt – für die Ärzte und vor allem auch die Patienten. Ganz bewusst stand ein komplexes Krankheitsbild im Fokus – der Darmkrebs. Die Darmzentren am Städtischen Klinikum München arbeiten seit Jahren eng mit ambulanten Fach- und Hausärzten zusammen. Als EFA-Partner gewann das Klinikum vier  Gastroenterologen, einen Facharzt für Allgemein mit Schwerpunkt Endoskopie, zwei Strahlentherapeuten und einen hausärztlich tätigen Allgemeinmediziner in München und Umgebung. Damit bezieht das Pilotprojekt die gesamte Behandlungskette mit ein: Gastroenterologen, Chirurgen und Pathologen, Radiologen, Labormediziner und weitere Spezialisten aus ambulanten oder stationären Einrichtungen. Als erstes EFA-Netz in Deutschland integriert das Städtische Klinikum München den EFA-Standard komplett in sein Klinikinformationssystem. Mit der mehrstufigen EFA-Sicherheitsarchitektur erfüllt die Münchener Lösung somit sämtliche Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit in diesem sensiblen Bereich.

„Die Patienten fühlen sich einfach besser betreut“
Das Hauptaugenmerk in der Pilotphase lag auf dem Informationsfluss: Wichtige Informationen über ihre Patienten brauchen Ärzte möglichst zeitnah, wenn der Patient in die Sprechstunde oder in die Klinikaufnahme kommt. „Gibt es eine elektronische FallAkte zu dem Patienten, dann kann ich sofort vom Arztcomputer aus auf sämtliche Informationen zugreifen – ich sehe, was andere Ärzte bereits unternommen haben. Die Patienten merken das, sie fühlen sich rundum besser betreut“, sagt Oberarzt Dr. Holger Seidl, Gastroenterologe im Darmzentrum Bogenhausen. Bislang musste der Arzt oft zum Telefonhörer greifen, wenn beispielsweise ein Laborbefund noch mit der Post unterwegs war oder der Patient den Arztbrief vergessen hatte. „Manche Untersuchung mussten wir auch doppelt ansetzen, weil der Befund sich nicht rasch genug beschaffen ließ, oder weil uns mitunter eine frühere Untersuchung gar nicht bekannt war.“ Weil in der FallAkte sämtliche Verordnungen und weitere notwendige Behandlungsschritte ersichtlich sind, kann der Arzt die Behandlung im Sinne des Patienten jederzeit konsequent fortführen. Für Darmkrebspatienten gibt es zudem eine umfangreiche Leitlinie für die Nachbehandlung. Dank EFA lässt sie sich deutlich konsequenter umsetzen: Der niedergelassene Facharzt sieht per Computer, wann eine Nachuntersuchung ansteht, oder ob der Patient, der lange nicht in seine Sprechstunde kam, vielleicht gerade in der Klinik ist.

Ambulante Ärzte gewinnen Kompetenzen
Zu Beginn sei von einigen niedergelassenen Ärzten die Sorge geäußert worden, Patienten an die Klinik zu verlieren, schildert Dr. Seidl. „Mittlerweile sehen sich die beteiligten Kollegen aber sogar deutlich besser als vorher in die Behandlung der Patienten integriert.“ Sie fragen zu ihren Darmkrebs-Patienten regelmäßig Informationen aus der Klinik ab und stellen zudem selbst ihre Befunde in die Plattform ein. „Bei einem Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs muss ich regelmäßig die Lunge und andere innere Organe auf Metastasen untersuchen“, erläutert Dr. Wolfgang Wegerle, niedergelassener Spezialist für Gastroenterologie, ein Beispiel aus seiner Praxis: „Mit wenigen Mausklicks kann ich mir in der EFA ältere Röntgenbilder aus der Klinik auf meinen Schirm holen, ohne Zeitverzug die beiden Bilder vergleichen und etwaige Veränderungen sofort feststellen.“

Breites Potenzial für EFA – Softwarehersteller in Bringschuld
„Wir konnten in dem Pilotprojekt zeigen, dass der Informationsfluss zwischen Praxen und Klinik in beide Richtungen funktioniert“, sagt Dr. Seibert. „Manche Arztpraxen haben allerdings Probleme, weil ihr Softwaresystem nicht EFA-kompatibel ist.“ Die Softwarehersteller seien gefragt, den Standard zügig umzusetzen. Die Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten funktioniere aber auch über eine gesicherte Internetverbindung zuverlässig. Damit ist das Klinikum für die Zukunft gut gerüstet: „Unsere Lösung ist sehr flexibel erweiterbar, ohne dass Konflikte etwa mit Datenschutz und Datensicherheit zu erwarten sind. So kann das Klinikum problemlos weitere Partner in das bestehende Netzwerk integrieren – niedergelassene Ärzte ebenso wie andere Kliniken. Auch einer überregionalen Nutzung steht technisch nichts im Wege.

Zum Verein Elektronische FallAkte:
Der Verein ist eine Interessengemeinschaft von derzeit 26 Mitgliedern aus renommierten privaten Klinikketten, Universitätsklinika, kommunalen Krankenhäusern, Ärztenetzen sowie den wesentlichen Verbänden des stationären und niedergelassenen Sektors. Ziel ist es, gemeinsam einen einheitlichen Kommunikationsstandard zu etablieren. Weitere Infos unter: http://www.fallakte.de

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