Die Healthcare IT Solutions GmbH (HITS) ist das erste Unternehmen, das im Juni 2019 eine von ihr entwickelte elektronische Fallakte bei der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH – für ein Telematikinfrastruktur (TI)-Bestätigungsverfahren eingereicht hat. Bei der Lösung handelt es sich um die „FallAkte Plus“, die hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen im Einsatz ist. Basis dafür ist die Fallaktenspezifikation 2.0 (EFA 2.0).

Aachen/Berlin, 14. August

Ziel des Antragstellers ist, dass Anwender der „FallAkte Plus“ künftig die von der gematik betriebenen zentralen Dienste der TI nutzen können. Auf diese Weise werden sich Krankenhäuser und Praxen gegenüber der von der HITS entwickelten Fallakte mit ihrem jeweiligen elektronischen Praxisausweis (Security Module Card-Betriebsstätte, kurz SMC-B) authentifizieren können.

Ein wesentlicher Vorteil einer entsprechenden Bestätigung der „FallAkte Plus“ durch die gematik besteht darin, dass Nutzer bei entsprechender Berechtigung dann per „single-Sign-on“ auf die „FallAkte Plus“ zugreifen können: Nach Anmeldung an ihrem Primärsystem werden gleichzeitig die dafür freigegebenen Fallakten freigeschalten. Dies bedeutet für die Anwender einen höheren Komfort bei sinkendem administrativem Aufwand.

Zwar ist die „FallAkte Plus“ bereits heute indirekt über die TI für das Sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (SNK) nutzbar. „Doch wenn der jetzige Antrag bei der gematik positiv entschieden wird, ließen sich mit der von der HITS entwickelten Fallakte alle wesentlichen TI-Dienste ohne Umwege nutzen“, erklärt Volker Lowitsch von der Healthcare IT Solutions. Davon würden dann alle aktuellen und künftigen Nutzer der „FallAkte Plus“ profitieren, in dem sie ihre Authentifizierungsprozesse dauerhaft komplett auf TI-Dienste umstellen können. Ganz besonders vorteilhaft ist die neue Anwendung für die vielen FallAkte Plus-Installationen in Nordrhein-Westfalen: Sie sind auf diese Weise dauerhaft an die TI angebunden wären.

„Mit der Anmeldung zum TI-Bestätigungsverfahren konnte „ein wichtiger von Ärzten genutzter Dienst für den Einsatz in der Telematikinfrastruktur gewonnen werden – ein weiterer wegweisender Schritt für die Patientenversorgung in der digitalen Vernetzung des deutschen Gesundheitswesens“, betont die gematik in einer Pressemitteilung.

Hintergrundinformationen HITS
Die Healthcare IT Solutions GmbH (HITS) ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Aachen, das wiederum zu den Gründungsmitgliedern des „Verein elektronische FallAkte e. V.“ gehört. Das Unternehmen widmet sich der Entwicklung, Vermarktung und dem Betrieb IT-gestützter Lösungen, mit denen sich stationäre, ambulante und sektorübergreifende Behandlungsprozesse möglichst effizient gestalten lassen. Im Fokus stehen Telematikanwendungen und Mehrwertdienste im Gesundheitswesen, speziell rund um die elektronische FallAkte.
Mit einer elektronischen Fallakte tauschen verteilt ansässige Ärzte medizinische Daten im Zusammenhang mit einem komplexen Krankheitsbild eines Patienten auf digitalem Wege aus. Anders als bei der elektronischen Patientenakte ist die elektronische Fallakte auf genau einen Krankheitsfall bezogen und wird von den behandelnden Ärzten geführt.

Hintergrundinformationen der gematik
Im Zuge eines Bestätigungsverfahren können Anbieter – bei entsprechender Berechtigung – ihre Anwendungen von der gematik für den Einsatz in der Telematikinfrastruktur prüfen und aufnehmen lassen. Bestätigung heißt der Nachweis der funktionalen, betrieblichen sowie sicherheitstechnischen Eignung. ,Weitere elektronische Anwendungen‘ sind laut Gesetz Anwendungen des Gesundheitswesens und der Gesundheitsforschung, die über die gesetzlich geregelten Fachanwendungen der elektronischen Gesundheitskarte hinausgehen.

Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH – gematik – hat die Aufgabe, für ganz Deutschland eine interoperable und kompatible Telematikinfrastruktur (TI) zu schaffen und sicherzustellen, dass die angebotenen Komponenten und Dienste sowie Dienstleistungen den Anforderungen der Interoperabilität und Sicherheit entsprechen. Dabei soll eine diskriminierungsfreie Nutzung der TI auch für weitere elektronische Anwendungen des Gesundheitswesens sowie der Gesundheitsforschung gewährleistet werden.

Die (im Unterschied zur elektronischen Patientenakte) ausschließlich von Leistungserbringern geführte elektronische Fallakte (EFA), die die medizinischen Daten des Behandlungsfalls eines Patienten den beteiligten Medizinern sektorenübergreifend zugänglich macht, lässt ein umfassendes Bild der Behandlung zu und verbessert somit die Versorgung des Patienten.

Die Öffnung der Telematikinfrastruktur für „weitere Anwendungen“ ohne den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte verfolgt das Ziel, die TI perspektivisch als die maßgebliche Infrastruktur für das deutsche Gesundheitswesen zu etablieren. Nach der amtlichen Begründung kann es sich dabei beispielsweise um

  • die direkte sichere elektronische Kommunikation zwischen Ärzten, Systemen zur Unterstützung von Melde- und Berichtspflichten von Leistungserbringern,
  • die Unterstützung telemedizinischer Leistungen,
  • Anwendungen für das öffentliche Gesundheitswesen, Systemen für den sicheren Datenaustausch zwischen Versorgung und Gesundheitsforschung oder
  • anderen Anwendungen, die außerhalb der Gesellschaft für Telematik entwickelt werden,
    handeln.