Entwicklung der KiJu-Akte auf Basis des EFA 2.0 Standards ist abgeschlossen / Projekt wird am 8. April auf DMEA-Satellitenveranstaltung von GMDS und BVMI vorgestellt

Aachen/München, 3. April 2019

Im Rahmen der Kooperation des Klinikverbunds „München Klinik“ (MüK) und dem Klinikum Rechts der Isar (MRI) der Technischen Universität München werden jährlich mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche klinikübergreifend stationär sowie ambulant behandelt. Um den Transfer aller relevanten medizinischen Informationen ohne Zeitverlust zu gewährleisten, hat das MüK auf der Basis des vom Verein Elektronische Fallakte (EFA) entwickelten Standards EFA 2.0 die KiJu-Akte entwickelt. Mit dieser Lösung wird sichergestellt, dass die Überleitung von der ambulanten in die stationäre Versorgung – ein Prozess, der in vielen Fällen innerhalb eines Tages erfolgt – ohne Informationsverlust stattfinden kann.

Bislang konnten nur wechselseitige Zugriffe auf das System des anderen Hauses stattfinden, was bereits eine Erleichterung bedeutete. Dennoch musste sich der Arzt am anderen System gesondert anmelden, danach erst den Patienten suchen und anschließend im anderen System den dazugehörigen Fall identifizieren. Eine Übernahme von Dokumenten scheiterte in jedem Fall an der Systemgrenze zwischen den Krankenhäusern. Mit der FallAkte ist das jetzt anders. Ohne eine zweite Systemanmeldung, ohne erneute Patientensuche kann direkt auf die Dokumente aus dem anderen Haus datenschutzkonform direkt zugegriffen werden. Im eigenen ish*med des jeweiligen Hauses können direkt bei Auswahl des Patienten und ish*med – Absprung über den IHE Document Viewer die Dokumente zum Patienten des anderen Hauses direkt abgerufen und auch in das eigene System übernommen werden. Die relevanten Daten, die über ein Regelwerk jeweils pro Haus in eine Fallakten kommen, stehen damit direkt im anderen Krankenhaus zur Verfügung und können von den behandelnden Ärzten zeitgleich auf dem PC eingesehen werden.

Ausgangspunkt ist in beiden Häusern das zentrale Archivsystem, in dem die Patientenakte automatisiert angelegt wird. In der hierzu geschaffenen IHE-Domäne werden die Dokumente geprüft und initialisiert, um sie via der IHE-EFA-Gateways beider Kliniken als Fallakte zu übermitteln. Diese Prozesse erfolgen in beiden Richtungen, so dass sowohl die Daten aus der ambulanten Behandlung im MRI als auch die der stationären Behandlung im MüK zeitgleich von allen autorisierten Klinikmitarbeitern abrufbar sind. Gründe für das MRI und das MüK, für die KiJu-Akte das EFA Konzept zu nutzen, sind unter anderem folgende:

  • Der ärztliche Datenaustausch für die behandlungsbezogene Kommunikation wird ermöglicht.
  • Es besteht Konformität mit dem europäischen Datenschutz für Leistungserbringer.
  • Die medizinische Datenstruktur bleibt für die Dauer der Behandlung bei der behandelnden Organisation und lässt sich durch sie erweitern.
  • Das EFA-Konzept nutzt IHE-Standards, beteiligt sich an diesen und erweitert sie.
  • EFA ermöglicht die Integration über Providergrenzen hinweg und ist gematik konform.

Über die notwendige rechtliche wie IT-seitige Basis der KiJu-Akte und die Einrichtung der dafür notwendigen Prozesse und Strukturen berichtet Dr. Winfried Seibert, aus dem Bereich Anforderung und Planung am Klinikverbund München Klinik im Rahmen der DMEA-Satellitenveranstaltung 2019, die am 8. April ab 12 Uhr im ABION Spreebogen Waterside Hotel, Alt Moabit 99, 10559 Berlin stattfindet (online-Anmeldung über https://gmds.de/aktuelles-termine/formulare/dmea-sat-2019/). Der Vortrag findet in der Session „IHE-konforme Archivstrukturen“ statt.

DMEA-Satellitenveranstaltung 2019
Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) und der Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V. (BVMI) veranstalten auch 2019 eine Satellitenveranstaltung im Vorfeld des in diesem Jahr erstmals als DMEA firmierenden Branchentreffs zum Thema Connecting Digital Health. Europas führende Veranstaltung für die digitale Gesundheitsversorgung findet vom 9. bis 11. April auf dem Messegelände Berlin statt.

Die DMEA-Satellitenveranstaltung von GMDS und BVMI erfährt bereits seit zehn Jahren eine hohe Akzeptanz bei ihren Arbeits- und Projektgruppen. Die DMEA-Satellitenveranstaltung findet am Montag, dem 8. April 2019, am Vortag der DMEA in Berlin statt. Während dieser Veranstaltung stellen elf Arbeits- und Projektgruppen der GMDS und des BVMI, die sich mit der Informationsverarbeitung im Gesundheitswesen beschäftigen, aktuelle Themen aus ihren Arbeitsgebieten im Rahmen von Workshops vor. Daneben beteiligen sich die Entscheiderfabrik, das Competence Center für die Elektronische Signatur im Gesundheitswesen e.V. (CCESigG) und IHE Deutschland e.V. an der Satellitenveranstaltung.

EFA informiert auf der DMEA über praxisorientierte Lösungen für den arztgeführten Datenaustausch
Der EFA e.V. ist auch in diesem Jahr auf dem Stand des Fraunhofer ISST in Berlin präsent (DMEA 2019, 9. bis 11. April, Halle 2.2, Standnummer D-103). Im Rahmen des Messerauftritts präsentiert sich der Verein auf einer Dialog-Session mit anschließender Messeführung.

Journalisten sind herzlich eingeladen zur Dialog-Session „Die Elektronische Fallakte – Arztgeführter Datenaustausch im Aktendschungel“ (10. April 2019 von 15:45 bis 16:45 Uhr auf der Networkingfläche in Halle 4.2) und dem sich daran anschließenden Messerundgang zu Lösungen und Anbietern elektronischer Fallakten.

Hintergrundinformation elektronische FallAkte
EFA ist eine Lösung zum datenschutzkonformen und sicheren Austausch von Behandlungsdaten in einem Verbund kooperierender Leistungserbringer. Technisch gesehen stellt sie eine Profilierung und Gruppierung von IHE-Profilen dar, wodurch eine Umsetzbarkeit über Standardprodukte der Hersteller von Gesundheits-IT erreicht wird.

Die elektronische FallAkte basiert auf dem Prinzip einer verteilten Datenhaltung, das heißt alle in eine FallAkte eingebrachten Daten verbleiben idealerweise physikalisch in den für diese Daten verantwortlichen Einrichtungen. Bei einer Anfrage nach Daten einer FallAkte werden die die verschiedenen Daten vorhaltenden Einrichtungen lokalisiert und die benötigten Daten werden direkt von der jeweiligen Einrichtung abgerufen. Ein Grundprinzip der elektronischen FallAkte ist dabei, dass alle teilnehmenden Einrichtungen autonom sind und es insbesondere keine zentralen Dienste geben darf, die ein übergreifendes Betreibermodell erfordern würden. Dieses stellt besondere Herausforderungen an das Auffinden verteilt vorgehaltener Daten. Da der Patient gegenüber jeder an seiner FallAkte teilnehmenden Einrichtung weitere EFA-Teilnehmer benennen kann, müssen auch die daraus resultierenden Änderungen an den Berechtigungen für EFA-Zugriffe an alle teilnehmenden Einrichtungen verteilt werden.

Zur Umsetzung dieser Herausforderungen wurde in der EFA Version 2.0 eine Lösung gewählt, die auf den von IHE vorgesehenen Mechanismen zur Verwaltung von Dokumenten basiert, um Änderungen an einer Einwilligung als Aktualisierungen des Einwilligungsdokuments im Verbund bekannt zu geben. Alle Anbieter (Provider) einer EFA waren über spezielle Verweise untereinander vernetzt, um das Auffinden der Daten einer EFA zu erleichtern.

Weitere Informationen
http://www.fallakte.de
https://ie-health.nrw/

Kontakte
Verein Elektronische FallAkte
1. Vorsitzender: Volker Lowitsch
c/o Universitätsklinikum Aachen
Telefon: +49 (241) 80-88567
E-Mail: VLowitsch@ukaachen.de

Klinikverbund München Klinik
Bereich Technologiemanagement
Anforderung und Planung: Dr. Winfried Seibert
+49 (89) 5147
E-Mail: winfried.seibert@muenchen-klinik.de

Über EFA
Die Elektronische FallAkte ist eine IHE-konforme* Kommunikationsplattform für Ärzte zu einem medizinischen Fall eines Patienten. Sie unterstützt die Kooperation zwischen den an der Behandlung beteiligten Ärzten im ambulanten und stationären Bereich und bietet bei Bedarf einen raschen Zugriff auf benötigte Dokumente (etwa Arztbriefe, Befunde, OP-Berichte, Verordnungen). So können sich behandelnde Ärzte stets einen aktuellen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf verschaffen. Vom Konzept her ist die Elektronische FallAkte besonders darauf ausgelegt, komplexe Behandlungsabläufe zu unterstützen.

Die EFA-Spezifikationen haben die Fraunhofer-Institute für Software- und Systemtechnik (ISST) und für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS), mit Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Auftrag einer Reihe von Kliniken entwickelt und gemeinsam mit Software- und Systemherstellern sowie Anwendern aus dem stationären und dem ambulanten Sektor anwendungsreif gemacht. Sie sind offen zugänglich und lizenzfrei nutzbar. Somit bietet sich EFA als vielfältig einsetzbarer, medienübergreifender Standard für die IT-gestützte Kommunikation im Gesundheitswesen an.

*ab Version EFA 2.0